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Ein Rucksack als Kinderstube

Die Brutpflege des Beutelfrosches
Gastrotheca riobambae (marsupiata)

Ein Bericht von Norbert SVARDAL

Beutelfrosch

Ende der 80 er Jahre, habe ich von einer Reise zu meinem Freund Hermann SVETNIK, der seit mehr als 30 Jahre in ECUADOR lebt, Kaulquappen des Beutelfrosches Gastrotheca riobambae, damals noch G. marsubiata, mitgebracht und sie als Frösche zuhause fünf Jahre im feuchtwarmen Regenwaldterrarium gepflegt.
Es ist wirklich interessant, dass immer wieder manche Tiere althergebrachte Kenntnisse
der Terrarianer, im speziellen die Froschliebhaber, durcheinander bringen.
Wenn man Erwachsene mit Kindern bei einem Laichtümpel beobachtet, so kann man folgende Weisheiten hören: "Wenn Kröten und Frösche sich paaren, umklammert das Männchen seine Partnerin und befruchtet den austretenden Laich. Bei Kröten sind es
dunkle Schnüre und bei Grasfröschen helle Ballen. Nach einiger Zeit schlüpfen dann die Kaulquappen, die im Wasser bleiben, bis sie sich für das Landleben entwickelt haben".
Soweit auch richtig, obwohl es bei unseren einheimischen Froschlurchen auch Ausnahmen gibt, wie z.B. die Geburtshelferkröte, hier wickelt sich das Männchen die Laichschnur um die Hinterbeine und wenn die Eireife soweit ist, sucht er das Wasser auf und entlässt die Kaulquappen. Ob bei dieser sensationellen Brutpflege mehr Kaulquappen hochkommen
und entwickeln als bei einer einfachen Eiablage ins Wasser, sei dahingestellt.
Wie wir aber wissen, gelten in der Natur keineswegs immer nur zweckmäßige Verhaltensweisen.
Gastrotheca riobambae ist einer der Frösche, der die berühmte Ausnahme bei der Hochzeitsregel der Frösche macht.
Die Bruttasche sitzt bei den weiblichen Beutelfröschen auf den Rücken nahe der Kloake und mündet nach außen durch eine schlitzförmige Öffnung. Lange war es ein Geheimnis, wie die Eier in diesen Rucksack hineinkommen.
Ganz einfach, über die Rückenpartie des Weibchens; und das funktioniert so, das etwas kleinere Männchen umklammert im Axillaramplexus seine Partnerin und hält sich zur Befruchtung bereit. Die gesamte Laichaktvorbereitung kann mehr als 24 Stunden dauern, wobei der eigentliche Laichakt in einer halben bis zwei Stunden beendet ist.
Dabei hebt das Weibchen ihren Hinterteil empor, macht ein Hohlkreuz und zwar so, dass eine Art Rutschbahn entsteht, das Männchen bildet mit nach innen gekehrten Beinen eine Rinne auf dem Rücken des Weibchens, wobei die Zehen am Rand der Bruttasche liegen. Die von ihm nun ausgeschiedene milchige (Samen)-Flüssigkeit (nach Dr. Herrmann, Dipl.Biologe und amphibienkundiger Zoologe), wird durch seitliche Körperbewegungen zu einem Schaum geschlagen. (Dr. Masurat, ein Lurchenkenner ist sich nicht sicher, ob die Spermien bereits in der milchigen Flüssigkeit enthalten sind oder erst während der Eiablage abgegeben werden).
Nun lässt das Weibchen ein Ei austreten, dieses gleitet auf dem vorher vom Männchen befruchteten Rücken der Froschmutter abwärts, bis es die Bruttasche erreicht hat und weitere Eier folgen. Dieser Rucksack kann bis zu zweihundert Eier aufnehmen.
Nach etwa 45 Tagen ist die Tragezeit beendet und das Weibchen entlässt die Kaulquappen ins Wasser, indem sie einmal mit Hilfe der 4. Zehe (die längste) des rechten bzw. des linken Hinterbeines den Schlitz im Kinderrucksack auseinander zieht.
Bis zur Metamorphose bleiben die Quappen im Wasser und sind sich selbst überlassen. Nach etwa 40 bis 45 Tagen verlassen sie als Jungfrosch, der nun eine Gesamtentwicklungszeit von etwa 90 Tagen hinter sich hat, das Wasser.
Im Gegensatz zu anderen Fröschen liegt hier eine ausgesprochen lange Entwicklungszeit
vor. Was auch aufgrund des geringen Dottergehaltes erklärbar ist, da die Brutpflege nur bis zum Kaulquappenstadium erfolgt.
Jung-u. Altfrösche sind eine gefräßige Horde und sie stürzen sich über alles was sich bewegt und in ihr Maul passt. Würmer, Raupen, Schnecken, Grillen, Heimchen, Heuschrecken und auch nestjunge Mäuse sind ein beliebtes Futter.
Ich habe sie im Regenwaldterrarium gehalten mit vielen Klettermöglichkeiten, Wasserbecken und waagrechten Sitzplätzen. Tägliches besprühen mit warmen Wasser mögen sie gern.
Es ist ein bewegungsarmer Frosch und sitzt unter tags auf seien bevorzugten Stammplatz und wird erst bei der Dämmerung und nachts aktiv.
Bei mir haben sie jede Nacht um 03.00 Uhr morgens mit dem Nachtkonzert begonnen, das an Phonstärke mindestens das Rufen unseres heimischen Laubfrosches erreicht. Was auch der Grund war, sie nach fünf Jahren erfolgreicher Pflege und Nachzucht abzugeben.
Die Tagestemperatur bei durchschnittlich 25°C, nachts etwas kühler, da sie auch in andinen Hochgebirgsregionen vorkommen, sind sie nicht so anspruchsvoll was die Temperatur betrifft.
Ich habe sie in 3.400 Meter Höhe in einer Grasregion am Chiborazo bei 10°C, in
1800 Meter bei Cuenca bei 24°C und im Regenwald bei Misahuali am Rio Napo bei 30°C gefunden.
Allerdings bei allen Fundorten mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit (wenigstens 70% - 80%).
Auch die Rückenfarben haben variiert, von grün, über leicht bräunlich bis dunkel gefleckt.
Interessant ist, dass es in Südamerika von dieser Gattung 39 bekannte Arten gibt, von einigen weiß man, wie sie sich in der Natur entwickeln aber über die Fortpflanzung im Terrarium, liegen nur von Gastrotheca riobambae Erfahrungen vor.

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