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Landschildkröten

(Testudinidaen)

Ein Bericht von Norbert Svardal

landschildkroeten

Die bekannten griechischen (Testudo hermanni) und maurischen (Testudo graeca) Landschildkröten wurden alljährlich zu Tausenden nach Mitteleuropa importiert und "ganz privat" von Urlaubern als lebende Souvenire aus den Balkanländern mitgebracht. Sie sind zu wahren Märtyrern der Tierliebe geworden, denn die ständige Nachfrage bewies, daß die wenigstens die ersten Monate der Gefangenschaft überdauernden Schildkröten ganz offentsichtlich ein gewisses Etwas haben, dem sogar Mitbürger nicht widerstehen können, die sonst von Reptilien gar nichts wissen wollen. Als besonders "niedlich" gelten kleine, ein- bis dreijährige Schildkröten mit ihren rundlichen hübsch gezeichneten Panzern. Man freut sich ihrer possierlichen Art und ihrem gesunden Appetit, spielt mit ihnen gerne herum und zeigt sie den Nachbarn und Freunden. Das erste Stirnrunzeln stellt sich ein, sobald das "Spielzeug" die Beweise seiner guten Verdauung auf den Teppich hinterläßt, und mangelt es an Licht und Wärme, verliert unser "Schildkrötchen" bald seine Munterkeit, verkriecht sich und bekommt trübe Augen. Die ungesunde Ernährung mit Kuchen, Brot und dergl. tut ein übriges, sodaß man schließlich froh ist, Nachbars Kinder damit beglücken zu können. Denn wir wollen doch nicht annehmen, daß die in Mülltonnen "anfallenden" Tiere lebend dort hineingeraten sind.

Dabei sind Lanschildkröten sehr ausdauernde, angenehme und anspruchslose Hausgenossen, wenn sich der Pfleger nur bemüht, ihren bescheidenen Bedürfnissen nachzukommen. Daher sollte man sich eine Schildkröte nicht aus einer flüchtigen Laune heraus anschaffen, denn wie alle Tiere in menschlicher Obhut will sie nicht nur liebevoll sondern auch mit Verstand behandelt werden um zu gedeihen.

Oberstes Gebot - die dafür notwendige Literatur besorgen - ein Thema, welches hier allerdings nicht erörtert werden muß.
Einige Bemerkungen zu den eingangs erwähnten Arten und ihre Besonderheiten sollen hier gemacht bzw. zwei andere Arten vorgestellt werden:

Die griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) besiedelt alle drei südeuropäischen Halbinseln zu einem mehr oder minder großen Teil, sowie einige Mittelmeerinseln. Die maurische Landschilkröte (Testudo graeca) ist ebenfalls dort anzutreffen, besiedelt aber auch große Landstriche Nordafrikas und Vorderasiens. Beide haben einen relativ hochgewölbten flachhöckrigen Rückenpanzer und sind beim ersten Hinsehen kaum voneinander zu unterscheiden. Die maurische Landschildkröte hat jedoch über dem Schwanz ein ungeteiltes Randschild und auf den Oberschenkeln große kegelförmige Höckerschuppen sowie eine nagellose Schwanzspitze. Das Supracaudale der griechischen Landschildkröte ist längstgeteilt und besagte Höckerschuppen fehlen, doch der Hornnagel auf der Schwanzspitze ist vorhanden. Natürlich gibt es zwischen den beiden neben diesen Unterschieden eine ganze Reihe feiner Differenzen, die nur Schildkrötenliebhabern und Kennern vertraut sind.

Eine dritte europäische Landschildkröte, die Breitrandschildkröte (Testudo marginata), kommt in erster Linie im südlichen Griechenland vor. Sie hat neben anderen morphologischen Eigentümlichkeiten einen über Hinterbeine und Schwanz breit ausladenden Panzerrand. Ob auch die Steppenschildkröte (Testudo horsfieldii), die an ihren Vorderbeinen nur vier Krallen trägt, noch zur europäischen Fauna gehört ist mehr als fraglich. Ihr Vorkommen erstreckt sich über das westliche Kasachstan, den nordöstlichen Iran, Afghanistan und Westpakistan. Die relativ kleine, mit nur mäßig gewölbtem Panzer ausgestattete Schildkröte wurde während des zweiten Weltkrieges in den asiatischen Sowjetrepubliken in großer Zahl zu Konserven verarbeitet, denn ihr Fleisch ist, wie übrigens von allen Landschildkröten, genießbar und ähnelt dem Hühnerfleisch.

Die Steppenschildkröte ist ein Bewohner der dürren Wüstensteppen und Wüsten. Oasen, feuchte Flußniederungen oder dichten Grasbewuchs mag sie nicht und ist auch dort sehr selten anzutreffen. Im Unterschied zu unseren europäischen Arten, die sich zur Winterruhe nur oberflächlich in den Boden einwühlen, gräbt sie sehr tiefe, schräg abwärts führende Gänge, die bis zu 2m lang sein können. Sie überwindet unter Ausnutzung aller Unebenheiten fast lotrechte Lößabrüche sowie den mahlenden Sand von Wanderdünen. Bewässerungsgräben sind für sie kein Hindernis, sie werden unter Wasser durchquert.
Gefressen werden fast alle in der Wüste vorkommenden Pflanzen, auch solche , die für das Weidevieh giftig sind. Als Beikost gibt es Käfer, Vogelexkremente und Tierknochen zur Tilgung des Kalkbedarfs.
Ein großer Teil der Jungtiere fällt in den ersten drei Lebensjahren infolge des noch ungenügend erhärteten Panzers Füchsen, Wölfen, Steppenadlern und Waranen zum Opfer, viele von ihnen erfrieren aber auch im Winter, wenn sie nichtgenügend Kraft hatten, sich entsprechend tief einzugraben.

Die über Steppenschildkröten gemachten Beobachtungen wurden vom jungen Herpetologen Konstantin PARASKIW gemacht und erlauben gewisse Rückschlüsse auf die Biologie unserer europäischen Formen, über deren Freilandleben wir noch immer zuwenig wissen.
Obwohl die älteste Vertreterin der Gattung Testudo aus der Mongolei beschrieben wurde, gibt es neben den drei genannten Arten keine weiteren Landschildkröten in Europa.

N. SVARDAL
1. WRN AT/Verein

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