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Die Bitterlingsbarbe (Barbus titteya)

Ein Bericht von Peter Korn

bitterlingsbarbe

Mit der Bitterlingsbarbe (Barbus titteya) - manchmal auch als Sherrybarbe bezeichnet - hat sich wieder ein sehr hübscher Aquarienfisch aus Sri Lanka bei uns eingebürgert. Sie ist ein Bewohner schattiger Bäche und kleiner Niederungsflüsse. Die Aquarieneinrichtung sollte diesen Naturgegebenheiten zumindest in einigen Punkten Rechnung tragen.

Ein dunkler Bodengrund mit Mulmschicht trägt hierzu ebenso bei, wie eine nicht zu helle Beleuchtung. Cryptocorynen, welche ebenfalls dem asiatischen Kontinent entstammen, sind hier die idealen Pflanzen. Zu einen spenden größere Arten den nötigen Schatten und kleinere diverse Verstecke, zum anderen brauchen auch sie eine dünne Mulmschicht für ihr Wohlbefinden. Speziell für den Farbkontrast "Fisch - Pflanze" würde der Autor zu diversen Grüntönen raten, Rottöne wie von Papageienblatt (Alternathera)- Arten sind zu vermeiden, da sich sonst die Farben "beißen". Außerdem benötigen rotblättrige Arten auch sehr viel Licht, was wieder die Barben nicht wollen.

Sonstige Versteckplätze, wie Wurzeln und Steine ergänzen die Einrichtung. Die in den Set-Aquarien angebotene Beleuchtung ist für lichthungrige Pflanzen sowieso viel zu schwach also gerade Richtig für unsere Cryptocorynen und Barben. Bei stärkerer Beleuchtung ist zumindest eine Schattierung mit Schwimmfarnen (Sumatrafarn) von Vorteil.

Erfahrene Aquarianer und Naturbeobachter lesen aus den Bemerkungen "Verstecke" und "Niederungsflüsse" (=langsam fließende Gewässer) bereits heraus, dass es sich bei unseren Pfleglingen um ruhige und sehr friedliche Zeitgenossen handelt, wenn oa. Lebensräume besiedelt werden.
Als Gesellschafter (es sei denn man möchte ein Artbecken) eignen sich vorzüglich Fadenfische und auch Scalare, weil diese lieber nicht zu lebhafte und vor allem nicht zupfende Partner mögen.
Alle hier angesprochenen Arten wollen ausreichenden Schwimmraum. Bei der Bepflanzung sollte diesem Umstand Rechnung getragen werden, also dichte Randbepflanzung, Mitte frei als Schwimmraum.
Die Haltungsbedingungen sind bei allen Barben gleich und eine Vergesellschaftung mit anderen Barben ist möglich, doch gehen die Bitterlingsbarben dabei etwas "unter", wenn der gleiche Lebensraum (Wassermitte) von aktiveren Barben besiedelt wird. Lediglich die Eilandbarben wären, wegen des Farbkontrastes und der gleichen Größe, für eine Vergesellschaftung wirklich zu empfehlen.

In vielfältigster Literatur liest man vom zänkischen Verhalten der Männchen untereinander. Unterlegene Männchen sollen hierbei die Färbung von Weibchen annehmen. Dies, wie auch die angeblichen ständigen Streitereien konnte der Autor nie beobachten. Da haben wohl die Autoren wieder voneinander abgeschrieben ohne die Angaben selbst überprüft zu haben. Zwar gibt es gelegentliche Schaukämpfe mit Flossenspreizen usw., doch nur im Rahmen des Imponier- und Balzverhaltens. Hier unterscheidet sich die Bitterlingsbarbe in keiner Weise von anderen Fischen. Verletzungen und Bisse gibt es nicht.

Die Männchen besitzen eine kräftigere rote Färbung. Durch züchterische Auslese bleibt diese inzwischen ganzjährig erhalten. Angaben in älterer Literatur können damit als überholt gelten.
Früher war das schöne Rot nur in der Balzzeit sichtbar.
Bei Weibchen fehlt dieses Rot. Von der Schnauze bis in die Schwanzflossen verläuft ein schwarzes Band, das oben durch ein goldenes aber türkis glänzendes Band und unterhalb eine doppelte Reihe dunkler Punkte begrenzt wird. Dies verleiht auch den Weibchen ein entsprechendes Aussehen, was die Männchen schon zu schätzen wissen.

Für die Pflege der nur 4 cm groß werdenden Art, eignen sich Becken ab 50 cm Länge. In einem solchen sollten 10 oder mehr Tiere ihr Zuhause finden. Zwar schließen sie sich nicht so eng zusammen, wie z.B. Neonsalmler, doch ist auch hier ein Schwarm für das Wohlbefinden ausschlaggebend. Vielleicht werden auch durch die größere Anzahl Aggressionen verhindert, die bei Einzelfischen immer wieder zu beobachten sind.

23° bis 25° C, mittlere Härtegrade (um 18° dGH) und 6,5 bis 7,5 pH sind optimal. In puncto Ernährung stellen sie keine besonderen Ansprüche. Lebendfutter sollte wegen der kleinen Mundöffnung entsprechend dimensioniert sein. Pflanzliche Zukost ( zB Tetra Phyll) darf nicht fehlen. Im Aquarium werden weiche Algen abgeweidet, Pflanzen aber dabei nicht beschädigt.
Das Maul ist unterständig und mit ein Paar Barteln versehen. Letztere Fungieren als Tastorgane beim Stöbern im Mulm. Anzumerken bleibt aber, dass diese erheblich zurückgebildet sind. Vielleicht ist dies eine Folge der langjährigen Aquarienhaltung, wo Futter in rauen Mengen angeboten wird und die Notwendigkeit der Futtersuche letztlich wegfällt.

Auch an dieser Stelle eine Bitte an die Aquarianer!
Überfüttert Eure Tiere nicht, legt lieber einmal einen Fasttag ein. Eine Ausnahme bilden allerdings immer die Jungfische.

Für Zuchtzwecke reichen bereits Becken mit 10 ltr. Inhalt. Der Ansatz erfolgt paarweise, da mehrere Männchen sich nur stören.
Auch hier 24° bis 26°C, pH 6 bis 6,5 und Härte bis 12° dGH sind günstig. Ein flacher Wasserstand garantiert, dass später die geschlüpften Jungfische zügig die Wasseroberfläche erreichen und ihre Schwimmblase füllen können.
Pro Laichakt werden 1 bis 3 Eier abgesetzt, insgesamt bis zu 300. Diese hängen in der Regel im Laichsubstrat und sind aufgrund ihrer Größe sehr schwer für uns zu entdecken. Die Eltern finden sie aber umso besser und zeigen sich als gierige Laichräuber. Bei jungen Weibchen können 50 Junge schon als gutes Ergebnis gelten. An sich ist diese Art aber sehr produktiv, was allerdings auch vom passenden Paar abhängt. Erzwingen lässt sich nichts, denn hier spielt die Liebe mit.

Die Jungen schlüpfen nach 24 bis 36 Stunden und hängen dann noch einige Tage als kleine "Glassplitter" an den Scheiben und an den Pflanzen. In den ersten Tagen nehmen sie nur Kleinstlebewesen zu sich. Artemia wird erst nach einer Woche bewältigt. Nach vier Wochen haben sie bereits eine wunderschöne Färbung und eine Länge von 10 bis 12 mm erreicht. Sie sind relativ schnellwüchsig. Der dunkle Längsstreifen ist übrigens schon sehr bald erkennbar. Eine Verwechslung mit anderen Barbenjungen ist daher ausgeschlossen.

Peter Korn

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