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Stiefkinder der Terraristik

Ruder- und Riedfrösche

ein Bericht von Norbert Svardal

Afrixalus_fornasini

In der Terraristik kaum gepflegte farbenprächtige Frösche, die sogar südamerikanische Blatt-und Baumsteiger in Färbungs-und Zeichnungsvielfalt übertreffen.

Ein wesentliches Merkmal , das die Ruderfrösche (Rhacophoridae) von den Echten Fröschen unterscheidet ist der Knochenbau der Finger und Zehen. Zwischen letztem und vorletztem Glied schiebt sich jeweils ein Knöchelchen ein. Das dadurch entstehende Extraglied ermöglicht seinen Besitzern, die mit Haftscheiben ausgestatteten Fingerkuppen ohne Behinderung durch Stellung und Haltung der Vorder-und Hinterbeine, flach an eine beliebige Unterlage zu heften, das wiederum bietet einen wesentlichen Vorteil für auf Bäume lebenden Frösche. 

So sind auch die meisten Ruderfrösche Baumbewohner. Viele von ihnen haben große Haftscheiben, zahlreiche Arten eine leuchtende Farbpracht, die diese Formen an ihrem natürlichen Wohnort für das menschliche Auge eher schützt als auffällig macht.

Einige allerdings haben das Baumleben aufgegeben und sind zum Erdboden zurückgekehrt, ohne jedoch die Kennzeichen der Baumbewohner einzubüßen. 

Zu den biologischen Eigentümlichkeiten dieser Froschfamilie gehört ihre Art, sich fortzupflanzen. Die Weibchen legen die Eier in Schaumnester auf überhängenden Blättern, Zweigen, Wurzeln oder an Steinen über oder in unmittelbare Nachbarschaft

von Gewässern ab. Dazu scheidet das Weibchen zuerst etwas Flüssigkeit aus, die es mit den Beinen zu einem festen, klebrigen Schaum schlägt. Die Männchen mancher Art beteiligen sich dabei. Sie umklammern die Weibchen zur Paarung in der Achselgegend (Axillaramplexus), dann werden Eier und weitere Flüssigkeit, die ebenfalls zu Schaum geschlagen wird, abgegeben.

Währenddessen drückt das Männchen seinen Leib dicht an den Rücken der Partnerin. Es bleibt zwar mit halb geschlossenen Augen völlig passiv, bringt aber seine Kloakenöffnung so nahe an die des Weibchens heran, daß es die Eier unmittelbar beim Austritt befruchtet. Nach Beendigung der Eiablage richtet sich das Weibchen auf seinen Vorderbeinen auf und veranlaßt dadurch das Männchen, sich zu entfernen. Wenig später verläßt auch das Weibchen das Schaumnest.

Das Verbreitungsgebiet der Ruderfrösche erstreckt sich von Afrika, Madagaskar bis Asien.

Eine kaum zu überblickende Mannigfaltigkeit bieten die Riedfrösche (Hyperolliidae).

Sie verdienen wegen ihrer Farbschönheit ebenfalls genannt zu werden. Die Veränderlichkeit dieser nur wenige Zentimeter großen Lurche, bedient sich oft auch noch der Jugendtracht und Alterskleid, wobei der Unterschied so groß ist, daß sich selbst der Spezialist oft nicht in der Lage sieht, eine exakte Bestimmung der vielen Arten vorzunehmen.
Einen besseren Anhalt gewährt stets das lebende Tier und auch dieses erweist sich nicht selten als schwer bestimmbar. Zudem begegnet man oft - was die Verwirrung noch fördert - mehreren Arten am gleichen Fundort, vielfach in der Nähe von Tümpeln, wo ihnen der Tisch mit kleinen Kerbtieren reich gedeckt ist.

Zu den Merkmalen der Gattung, die früher unter den Namen Rappia bekannt war, gehören ein waagrechter Augenstern, herzförmige Zunge, Haftscheiben und mehr oder weniger ausgebildete Schwimmhäute an Finger und Zehen. 

Schaumnester zu bauen haben die Riedfrösche aufgegeben und legen, soweit man weiß, die Eier in kleinen Portionen im Wasser ab. Bei Dürre und Trockenheit ziehen sie sich in Gesteins- und Erdspalten zurück.

Die Lebensansprüche der Ruder- und Riedfrösche sind sehr unterschiedlich. Von Niederungen bis in Höhen von 3500 m und Temperaturen von 8°C bis 35°C sind keine Seltenheit. Ihre Lebensräume sind jedoch vorwiegend tropische Regenwälder oder zumindest sehr feuchte Gegenden mit reichem Pflanzenwuchs.

In der Natur sind sie aufgrund der starken Saisonverteilung des Jahreszyklusses sehr kurzlebig. Nach Verbrauch des Energievorrates nach einer Trockenperiode sterben viele bereits nach dem ersten Ablaichen.

Im Terrarium, das für diese Baumfrösche doppelt so hoch wie breit sein sollte, überleben sie nach Erreichen der Geschlechtsreife (ca. 12 - 14 Monate) und guter Pflege, mehrere Jahre. Sie lieben helle Sonnenbestrahlung und Wärme, daher sind Halogenstrahler empfehlenswert und je nach Art verschieden, mögen sie trockene oder feuchte, schattige oder stärker beleuchtete Bereiche.

Die sollte der Pfleger beim Einrichten eines Froschterrariums beachten und darauf Rücksicht nehmen. 

Liebhaber die Ruder- und Riedfrösche pflegen möchten, finden im Buch von

Dr. Hans-Joachim HERRMANN - Ruder- und Riedfrösche, ein äußerst interessantes
hilfreiches Nachschlagwerk.

Norbert SVARDAL

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