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Pfeilgiftfrösche und ihr Gift !

Ein Bericht von Norbert Svardal

Terribilis1

In der Erfindung des Bogens wurde eine Distanzwaffe geschaffen, die es ermöglichte, gespeicherte Energie kontrolliert freizusetzen.

Wirksamer wurde diese Waffe jedoch erst mit Hilfe von Giftstoffen, die mit dem ageschossenen Pfeil übertragen wurden. Auch das in den tropischen Regionen Südamerikas und Borneos verwendete Blasrohr erwies sich in Verbindung mit Giftstoffen sehr wirkungsvoll.

Fast in allen Teilen der Erde werden Gifte für den Gebrauch der Lanzen, Speere und Pfeilen hergestellt. Lediglich Australien und Neuseeland bilden eine Ausnahme.

Sie werden bis auf wenige Ausnahmen aus pflanzlichen Material gewonnen, wobei das bekannteste Pfeilgift wohl schlechthin CURARE ist.

Die Choco-Indianer in Westkolumbien nehmen jedoch ein ungewöhlich starkes tierisches Pfeilgift zur Jagd. Sie verwenden das Hautsekret zweier Arten von Blattsteigerfröschen, - Goldstreifen-Blattsteiger (Phyllobates aurotaenia) und 

Zweifarbiger-Blattsteiger (Phyllobates bicolor). Diese kleinen bunten bzw. gelben Frösche werden auf einen Holzspieß gesteckt und die Pfeilspitzen an der Haut gerieben. 

Durch den für den Frosch überaus großen Schmerz, kommt es zur Absonderung des Hauttoxines, bei dem es sich um die Steroidester (Alkaloide) Batrachotoxin handelt.

Die nun so präparierten Spitzen weren anschließend über einem Feuer angetrocknet.

Ein weiter südlich in einem kleinen Gebiet um den Rio Saija lebender Indiostamm nutzt eine, den Froschliebhabern gut bekannte und furchterregend in der Literatur bezeichnete Froschart, - Phyllobates terribilis zur Giftgewinnung. Die Menge des in der Haut von P. terribilis vorkommenden Batrachotoxin wurde mit 0.9 bis 1.7 mg festgestellt. Also eine starke Konzentration des Giftes. 

Bei den oben erwähnten P. aurotaenia und P. bicolor ist diese Konzentration um das 30-fache geringer. Selbstverständlich sind auch sie giftig, denn diese Alkaloide blockieren das Schließen der Ionenkanäle an erregbaren Membranen und erhöhen damit die Durchlässigkeit für Natriumionen. Durch die überhöhte Acetylcholin-freisetzung kommt es zu einer neuromuskulären Blockade. Mit anderen Worten und weniger wissenschaftlich, - etwa 0,17 mg des Hautsekretes würden genügen um einen 68 kg schweren Menschen zu töten. 

Teilweise sind bereits Versuche zur Verwendung des Pfeilgiftes in der Medizin durchgeführt worden, wobei aus der Haut des ecuadorianischen "Pfeilgiftfrosches" -Epipedobates tricolor, das Alkaloid Epibatidin isoliert wurde. Es soll eine stark schmerzstillende Wirkung zeigen, die etwa 200 mal stärker ist als die von Morphium.

Vielleich ein neuer Durchbruch in der Medizin zur Entwicklung neuer Analgetika. Durch die heute modernen Analysenmethoden lassen sich wertvolle Substanzen entdecken, die der Medizin nützlich sein könnten.

Für uns Liebhaber und Pfleger von Fröschen kein Grund zur Besorgnis, wir spießen unsere Pfleglinge nicht auf und malträtieren sie auch nicht. Daher wird es bei der Haltung im Terrarium kaum zu einer Absonderung des Hauttoxines kommen, trotzdem, nach allen Tätigkeiten mit "Pfeilgiftfröschen" - die Hände waschen!

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