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Diskusfische

- nur was für Spezalisten?

Ein Bericht von Beate Rosenbach

diskus14mit freundlicher Genehmigung von
http://www.discus-online.de

Vielerorts hört man, dass Diskusfische (Symphysodon heckel und Symphysodon aequifasciatus) äußerst heikle Pfleglinge seien. Wir wollen der Sache hier auf den Grund gehen.

I. Meinungen:

Befragt man die Leute genauer, die diese Meinung vertreten, dann stellt sich schnell heraus, dass die meisten keine eigenen Pflegeerfahrung mit diesen schönen Fischen haben, sondern nur von anderen Leuten gehört haben, dass diese Tiere schwierig seien ..... .

II. Fachliteratur:

Manche Leute versuchen sich vor der Anschaffung von Diskusfischen, durch die sogenannte "Fachliteratur", über die genauen Hälterungsbedingungen zu informieren. Das ist sehr löblich und bei den meisten Fischarten auch von Erfolg gekrönt. Befasst man sich jedoch genauer mit der zahlreichen Diskusliteratur, so wundert man sich oft, wie sehr sich die Wortlaute ähneln ..... . 
Leider suggerieren viele dieser Bücher dem Leser, dass Diskusfische nur mit einem hohen technischen Aufwand zu halten sind und vergraulen damit schon im Vorfeld viele potentielle zukünftige Diskusliebhaber, was äußerst schade ist. Als langjähriger Diskuspfleger und -züchter fragt man sich, warum solche Bücher trotzdem immer wieder veröffentlicht werden. Wissen es die Autoren wirklich nicht besser? Dass es auch anders geht kann man in zahlreichen Wohnzimmern und Kellern sehen.

III. Realität:

a) Diskuswasser - eine Philosophie für sich?
Die Heimat der Diskusfische ist der Amazonas und seine Nebenflüsse. Das ist auch die Heimat der meisten Salmler und Welse, die wir in unseren Aquarien pflegen. Fühlen diese sich dort wohl, dann tun das auch die Diskusfische. Das heißt man kann solche Fische nicht nur in weichem, saurem Wasser halten, sondern durchaus auch in mittelhartem (< 15° dGH), neutralem Wasser (max. pH 7,5), so wie es vielerorts aus der Leitung kommt. So sieht es auch das Gutachten über die "Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser)" des Bundesministeriums vor. 
Manche Leute messen dem pH-Wert eine viel zu große Bedeutung zu und vergessen dabei, dass auch zahlreiche Diskushabitate in den sogenannten "Weißwasserflüssen" des Amazonassystems liegen, wo der pH-Wert oftmals um die sieben liegt.
Vielen steht ein Leitungswasser mit ca. pH 7,5 zu Verfügung. Ist die Wasserhärte nicht zu hoch (unter 15° dGH), dann pendelt sich das Aquarienwasser, bei einem gut funktionierenden Biofilter, in aller Regel bei etwa pH 7 ein. Unterstützend kann man ggf. zeitweise zusätzlich über Torf filtern. Spätestens nach 14 Tagen sollte man ihn verwerfen, da er sonst das Wasser durch Zersetzungsprozesse, unnötig belastet.

Hohe pH- und Härte-Werte sind zu vermeiden, da der Fischorganismus nachhaltig geschädigt wird, wie z.B. durch Kalkablagerungen in den Nierenkanälchen, bei zu hartem Wasser. In solchen Fällen kommt man um den Kauf einer Wasseraufbereitungsanlage leider nicht herum. Hier hat man die Wahl zwischen einer Entsalzungsanlage und einer Umkehrosmoseanlage. 
Bei einer Entsalzungsanlage unterscheidet man zwischen verschieden Ionenaustauschverfahren (Anionen, Kationen oder Mischbett). Wie der Name schon sagt, findet hier immer ein "Austausch" statt, d.h. etwas wird dem entnommen (z.B. Härtebildner), dafür wird aber etwas anderes ans Wasser abgegeben (z.B. Chlorid)! Leider erhalten wir dadurch leicht ein Wasser mit einer völlig unnatürlichen Zusammensetzung. Leider werden gleichzeitig auch wichtige Wasserinhaltsstoffe unkontrolliert entzogen, die dem Fischorganismus später fehlen. Wir erhalten schließlich ein Wasser mit einer äußerst fragwürdigen Zu-sammensetzung.
Einfacher und sicherer ist die Verwendung einer Umkehrosmoseanlage, auch wenn man einen höheren Wasserverbrauch hat. Mit Hilfe einer Membran werden hier weitestgehend alle Moleküle zurückgehalten, die größer sind als Wassermoleküle. Dieses Reinstwasser kann man mit dem Leitungswasser verschneiden, bis man die gewünschte Härte hat. Dabei erhält man ein ideales Wasser, bei dem das natürliche Verhältnis der Wasserinhaltsstoffe zueinander erhalten bleibt. Inzwischen gibt es auch sehr gute Mineralsalzmischungen für Süßwasser, mit denen man das Osmosewasser nicht nur aufhärtet, sondern auch optimal mit Mineralien im biologisch richtigen Verhältnis versorgt.

Pures Reinstwasser darf man nicht als Aquarienwasser verwenden! Es ist absolut lebensfeindlich. Die Zellen des Fischorganismus würden bei Kontakt, in ihrem "Bestreben nach Konzentrationsaustausch", anfangen zu quellen. Dabei versuchen sie die vergleichsweise hohe Salzkonzentration im Zellinnern auf die nahe Null liegende Salzkonzentration des Wassers zu bringen. Da dies ein nahezu unmögliches Unterfangen ist, laufen die Zellen Gefahr so viel Wasser aufzunehmen, bis sie platzen. Ein Mensch, der Reinstwasser trinkt, kann innerlich verbluten.

In der Heimat der Diskusfische kommen Spurenelemente und Mineralien zwar nur in geringen Mengen vor, aber sie sind immer verfügbar! In einem Aquarium sind sie schnell aufgebraucht, vor allem wenn man mit Ionenaustauschern oder einer Umkehrosmoseanlage arbeitet. Insbesondere Leute, die mit solch "kostbarem", aufbereitetem Wasser arbeiten, neigen häufig dazu fällige Wasserwechsel zu lange hinauszuzögern oder nur zu wenig Wasser zu wechseln.

Man darf aber nicht vergessen, dass allein durch das Fehlen eines einzigen Spurenelements Mangelerkrankungen entstehen und zwar bei allen Fischen! Bei einem Salmler bleibt das aufgrund seiner geringen Größe oft unbemerkt. Man wird erst aufmerksam, wenn sich an den geschwächten Tieren z.B. Außenparasiten breit machen, die bei der gleichzeitig zunehmenden Verkeimung, verursacht durch die steigende Ansammlung von Abfallstoffen (Futterreste, Kot usw.), in großen Mengen vorhanden sind. Aber kaum jemand denkt an eine Mangelerscheinung als Ursache. Am besten, man lässt es gar nicht erst soweit kommen!

Wer sich unsicher ist, wann ein größerer Wasserwechsel ansteht, kann den Nitratwert, gemessen mit einem Tropfentest, zur Hilfe nehmen. Er sollte 50 mg nicht übersteigen.

Ein höherer Nitratwert alleine führt zwar i.d.R. nicht dazu , dass sich die Fische unwohl fühlen, zumal vielerorts das Trinkwasser schon mit 30 mg und mehr belastet ist. Aber gleichzeitig mit dem Nitratwert im Aquarium steigt auch die Menge an Phosphaten, Sulfaten und anderen belastenden Stoffwechselprodukten, die sich großenteils unter "Nichtlaborbedingungen" schlecht messen lassen. So nimmt man einfach den Nitratwert als Marker.

Ein Denkanstoß wäre hier, um den tatsächlichen "Nitratanstiegswert" zu ermitteln, die "Ausgangsnitratbelastung" des Leitungswassers zu messen (Achtung: die Werte schwanken häufig!) und von dem im Aquarienwasser gemessenen Wert abzuziehen.

b) Filterung - das Herz eines jeden Aquariums
Ein Aquarium steht und fällt immer mit einem gut funktionierenden Filter, egal was man für Fische hält. Er muss gut mit Sauerstoff versorgt werden, damit die Filterbakterien effektiv arbeiten können. Das ist bei vielen geschlossenen Filtern ein nicht unerhebliches Problem. 
Damit die Bakterienkultur möglichst lange erhalten bleibt, sollte man das Filtermaterial erst dann reinigen, wenn es anfängt zu verschlammen. Dann aber sofort, sonst sterben die wertvollen Mikroorganismen ab. Das Filtermaterial wäscht man am "bakterienschonensten" in einem mit Aquarienwasser gefüllten Eimer aus. Einen gut funktionierenden Biofilter erkennt man daran, dass im Tropfentest Nitrit unter der Nachweisgrenze liegt.

Besonders bewährt haben sich die Mehrkammerbiofilter, entweder eingeklebt ins Aquarium (mit einem Filterkamm an der Wasseroberfläche als Einlauf) oder als Untertischfilter (mit zwei Bohrungen am Aquarium und mit Überläufen an der Wasseroberfläche).
In der ersten Filterkammer nimmt eine Lage nicht zu feiner Filterwatte alle Schmutzreste auf. Vorsichtshalber sollte man, falls doch einmal etwas daneben geht, darunter noch eine dicke Schicht sehr grobe Watte oder Filterfaser legen, um das nachfolgende biologisch arbeitende Filtermaterial (z.B. Leichtschamotte) vor Verunreinigungen zu schützen. Man sollte generell hier keine feine Filterwatte verwenden, da sie sich, ebenso sie ein Filterschwamm, schnell zusetzt und dabei sauerstoffzehrend wirkt. 
Eine Pumpe in der letzten Filterkammer befördert das Wasser wieder ins Becken zurück, am besten mit einem Diffusor versehen. Die Pumpe sollte den Beckeninhalt ein bis anderthalb mal pro Stunde umwälzen, um eine optimale biologische Filterung zu erzielen.

Ein so aufgebauter Filter arbeitet sehr effektiv, da er ständig über seine Oberfläche Sauerstoff aufnehmen kann. Zudem bleibt die Bakterienkultur ständig erhalten, da die Filter so Standzeiten über viele Jahre haben (durchaus zehn Jahre und länger), wenn die groben Schmutzpartikel vorher sorgfältig mit der Watte abgefangen werden.

Hinzu kommt, dass sie sehr benutzerfreundlich sind, da man lediglich von Zeit zu Zeit die Filterwatte wechseln braucht.

 

c) Beckengröße
Während für viele Salmler 60 cm lange Aquarien völlig ausreichen, benötigen Diskusfische, für eine dauerhafte Hälterung, mindestens 120 cm lange und 50 cm hohe Becken. Auf jeden Fall sollte genügend freier Schwimmraum zur Verfügung stehen. Der Vorteil ist, dass die Wasserverhältnisse mit zunehmender Beckengröße stabiler werden. Pro ausgewachsenem Diskus rechnet man etwa 50 Liter Wasser.

d) Diskusfische sind Schwarmfische
Man darf nicht vergessen, dass Diskusfische Schwarmfische sind. Auch Zuchtpaare danken es einem, wenn sie zwischen den Aufzuchten, für einige Wochen im Schwarm mit anderen Diskusfischen leben können.

Es gibt immer wieder Leute, die sich bei der Erstanschaffung von Diskusfischen erst einmal nur ein oder zwei Jungfische zulegen wollen. Dagegen käme niemand auf die Idee sich nur ein oder zwei Neons ins Aquarium zu setzen. Das Ergebnis wäre das Gleiche: die Tiere drücken sich scheu in die Ecke und fangen früher oder später an zu kränkeln.
Diskusfische lassen sich gut z.B. mit ruhigen Salmlern, Zwergbuntbarschen, Fadenfischen und Panzer- und Harnischwelsen vergesellschaften.

e) Allgemeines
Die ideale Wassertemperatur für Diskusfische liegt bei 28 - 29 °C. Das wird auch von den meisten gängigen Salmlern, Zwergbuntbarschen und Welsen aus Südamerika vertragen.
Auch bei den Pflanzen hat man reichlich Auswahl. Z.B. Javafarn und die meisten Anubia-, Cryptocoryne-, Echinodorus- und Vallisnerienarten wachsen auch noch bei diesen Temperaturen prächtig.

Die Beleuchtung sollte dabei nicht zu grell sein. Das mögen die meisten südamerikanischen Fische nicht besonders. Sie reagieren dann leicht schreckhaft und verstecken sich gerne. Zu empfehlen ist die Kombination einer Warmton- mit einer Tageslicht-Leuchtstoffröhre.

Als Bodengrund empfiehlt sich ein nicht zu grober Kies oder Sand. Letzterer darf nur in einer dünnen Schicht eingebracht werden, um Fäulnisprozesse zu vermeiden, falls keine ausreichende Wasserzirkulation sichergestellt werden kann.

Gut abgelagertes Wurzelholz ist sehr zu empfehlen, da es Huminsäuren abgibt. Viele Welse freuen sich, wenn sie etwas zum Abraspeln haben.

f) Ernährung
Fische wollen möglichst abwechslungsreich ernährt werden. Wir Menschen essen auch nicht jeden Tag das Gleiche. So sollte man auch seine Fischen nicht einfach nur täglich mit einem guten Qualitätstrockenfutter ernähren, sondern ruhig ab und zu z.B. ein paar Wasserflöhe, Mückenlarven oder Artemias verabreichen. Diskusfische sind besonders "heiß" auf solches Futter und ziehen es häufig Trockenfutter vor. Seit es qualitativ hochwertiges Frostfutter gibt, ist das kein Problem mehr.

Zur Auswahl stehen verschiedene Mückenlarven (rote, weiße und schwarze). Bei den roten Mückenlarven sollten allerdings nur gezüchtete Larven verfüttert werden, um eine Vergiftungsgefahr auszuschließen! Gerne werden auch Lobstereier, gehacktes Miesmuschelfleisch und gehackte Garnelen genommen.

Dann gibt es noch verschiedene "Krebstier"-Futtersorten, die sich durch ihren hohen Gehalt an Ballaststoffen auszeichnen, da diese Tiere einen Chitinpanzer haben. Dieses Futter ist besonders für Diskusfische wichtig und sollte am besten täglich, zumindest aber jeden zweiten Tag verfüttert werden. Besonders gerne werden Artemias (Salinenkrebschen) genommen, die es in sehr hochwertiger Qualität vor allem von einigen amerikanischen Anbietern gibt. Daneben gibt es noch Krill (fein), Mysis, Wasserflöhe, Cyclops, Moina und Bosmiden.
Es gibt auch viele gefrorene Futtermischungen, meist auf Rinder- oder Truthahnherzbasis. Dieses Futter ist häufig umstritten, da Diskusfische in der Natur weder Rinder noch Geflügel vernaschen. So fehlen ihnen bei der Verdauung die entsprechenden Enzyme zur effektiven Nutzung des Fleischs. Man sollte das Herzfleisch eher als "Trägersubstanz" für wichtige Futterzusätze sehen, wie z.B. Vitamine, Mineralien und Grünfutter, die so gezielt über die Nahrung verabreicht werden können. 
Inzwischen bekommt man aber auch schon hochwertige Futtermischungen, in denen das Herzfleisch durch Garnelen und Fischfleisch ersetzt wurde, was sicherlich wesentlich bekömmlicher ist.

Bei Lebendfutter sollte man eine gewisse Vorsicht walten lassen, wenn man nicht gerade zu hause seine eigene Regentonne hat, Oftmals ist die Herkunft des Futters nicht lückenlos nachvollziehbar und die Gefahr sich Krankheiten einzuschleppen ist groß, wenn die Futtertiere beispielsweise aus Teichen mit Fischen kommen.

Gefahrlos verfüttern kann man Enchyträen. Sie lassen sich leicht in einer Kiste mit spezieller Erde vermehren und werden mit Begeisterung von den Fischen aufgenommen.

IV. Ergebnis:

Genauso wenig wie ein Roter Neon ein Problemfisch ist, ist es der aus den gleichen Gewässern stammende Diskusfisch. Er möchte, wie alle anderen Fische auch möglichst optimal gehältert werden. D.h. bei einer effektiven Filterung, regelmäßigen Wasserwechseln und einer abwechslungsreichen, ballaststoffreichen Fütterung kann man problemlos lange Freude an seinen Tieren haben.

Vielleicht hat der eine oder andere festgestellt, dass sein Heimaquarium alle Voraussetzungen für eine optimale Diskushälterung erfüllt, wenn er nur noch die Temperatur um wenige Grade erhöht, dann kann auch er den "König der Süßwasserfische" mit seiner einzigartigen Brutpflege vom Sofa aus bewundern.


Beate Rosenbach

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