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Die Perlnatter (Drymobius margaritiferus)

ein Juwel unter den Schlangen

Ein Bericht von Uli Körber

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Das wunderschöne Hobby Aquaristik betreibe ich seit meiner Kindheit. Da mich Schlangen schon immer angesprochen hatten, entschloss ich mich vor ca. 15 Jahren , mich zusätzlich der Haltung, Pflege und möglichst auch Nachzucht dieser interessanten Reptilien zu widmen.

Bevor ich mich für eine Art entschied, machte ich mich zunächst anhand der reichlich zur Verfügung stehenden Literatur ausgiebig kundig über die Ansprüche der diversen Arten und die davon abhängige Ausgestaltung eines entsprechenden Terrariums. Schließlich entschied ich mich für Kornnattern (Elaphe guttata), eine farblich sehr ansprechende Schlangenart, welche ich bis heute in verschiedenen Farbformen pflege und jährlich in größerer Anzahl nachzüchte.
Nachdem ich einige Jahre Erfahrung auf diesem Hobbysektor gesammelt hatte, entschloss ich mich für die Haltung einer weiteren Schlangenart. In der Literatur hatten mich Abbildungen der Perlnatter fasziniert, einer schlanken, eleganten Schlangenart mit großen dunklen Augen und einer prächtigen, blau-grünen Färbung. Obwohl diese Art ein riesiges Verbreitungsgebiet hat, keinen Artenschutzbestimmungen unterliegt und in der Haltung auch keine unerfüllbaren Anforderungen stellt, war sie im Handel nicht erhältlich.

Die Suche nach dieser Schlangenart war dann auch eine wahre Odyssee. In den Listen der Händler und Importeure war die Art nicht zu finden. Tauchte sie dann doch einmal auf, so ergaben sofortige Nachfragen, dass die Tiere entweder nicht mitgeliefert worden waren, oder nur 1 - 2 Exemplare eingetroffen waren, welche sofort vergeben waren. In dem 4 mal jährlich erscheinenden Anzeigenjournal der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) - welcher ich seit 1992 angehöre - wurde diese Schlange zwar seit Jahren von Terrarianern gesucht - angeboten wurde sie allerdings nicht. 
Um es kurz zu machen, es dauerte nahezu 5 Jahre, bevor ich von einem befreundeten Händler 3 halbwüchsige Tiere erhielt, welche aus Honduras stammen sollten. Es waren 2 Männchen und 1 Weibchen. Zwei der Tiere waren in einem sehr schlechten Zustand und trotz aller Bemühungen gelang es mir nicht, sie am Leben zu erhalten.

Das verbliebene Männchen entwickelte sich prächtig. Auf der Suche nach weiblichen Tieren dauerte es wieder über ein Jahr, bis mir ein Terrarianer aus der DGHT 2 semiadulte Weibchen überließ, welche aus Nicaragua stammten.
Die Perlnatter ist vom südlichen Texas entlang der Atlantikküste Mittelamerikas bis ins nördliche Brasilien beheimatet. Sie bewohnt strauchig bewachsenes Gelände und ist bis zur Höhe von 1 500 m anzutreffen. Häufig findet man sie in der Nähe von Wasserläufen. Die Schlange gehört zur Gattung der Rennattern und ist äußerst schnell, dies und ihre Fluchtdistanz von angeblich 10 bis 20 Metern dürften die Gründe sein, warum diese Art so selten in Importsendungen zu finden ist. Perlnattern erreichen eine Größe von maximal 1,25 m. Obwohl die Art in der Literatur als bodenbewohnende Schlange bezeichnet wird, klettert sie im Terrarium gerne umher, es ist also unbedingt erforderlich, im Terrarium Kletteräste anzubringen.

Entgegen den Literaturangaben ist die Schlange tagaktiv. Ihre Hauptaktivitätszeiten liegen in den späten Vor- und Nachmittagsstunden, dazwischen ruht sie in Versteckplätzen unter Steinen, Wurzeln oder überhängenden Pflanzen. Perlnattern sind sehr schreckhaft und es dauert lange, bis sie dieses Verhalten im Terrarium einigermaßen ablegen. Wenn sie sich bedroht fühlen, gehen sie zum Angriff über und können kräftig zubeißen, es handelt sich dabei nicht nur um einen Abwehrbiss, sondern die Schlange kann sich regelrecht festbeißen und kräftig blutende Wunden hinterlassen. Auch wenn es keine Giftschlange ist, ist deshalb Vorsicht geboten ! 
Der Fressakt ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Das Beutetier wird erfasst und nicht erwürgt, sondern lebend verschlungen. Dies deutet darauf hin, dass das Beutespektrum dieser Schlange vorwiegend aus Tieren besteht, welche nicht besonders wehrhaft sind, also Echsen, Frösche, Molche, Fische etc. Bei mir gingen die Schlangen nach einer Eingewöhnungszeit an nestjunge und halbwüchsige Mäuse. Ein Versuch an die Tiere Fische zu verfüttern hatte prompt Erfolg. Die beiden Weibchen gingen gierig an aufgetaute Stinte von ca. 10 cm Länge, während das Männchen Fische nicht anrührte. Halbwüchsige bis adulte Importtiere bedürfen sicher einige Zeit, um sie an Futtertiere wie Mäuse zu gewöhnen, da sie in ihrer Heimat vermutlich auf bestimmte Beutetiere geprägt sind. Ein Bekannter von mir pflegt ebenfalls Perlnattern und erhielt nachträglich durch Zufall ein ca. 20 cm langes Importjungtier, welches sofort problemlos an nestjunge Mäuse ging und nie irgendwelche Fressprobleme bereitete.

Das Terrarium, in welchem ich die Perlnattern pflege hat die Maße 1,20 x 0,50 x 0,50 m und enthält neben einem verzweigte Kletterast einen Rindenunterschlupf und eine größere Wasserschale. Es ist mit Plastikpflanzen ausgestattet, da natürliche Pflanzen von den Schlangen regelmäßig zerdrückt wurden. Die Temperatur schwankt im Tagesverlauf zwischen 24 und 30 Grad C. und wird in der Nacht um ca. 5 Grad C abgesenkt. Ebenso reduziere ich in den Wintermonaten die Temperatur um ca. 5 Grad C, eine regelrechte Winterruhe für die Tier lege ich allerdings nicht ein. Die Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 60 und 80 %. Beleuchtet wird mit einer 30 Watt "Daylight"-Leuchtstoffröhre. Als Bodengrund verwende ich Sand der Körnung 1-3. 

Perlnattern dürften eine der wenigen Schlangenarten sein mit einem Sexualdichromatismus, d.h. Männchen und Weibchen unterscheiden sich auch in der Färbung. Bei den prächtiger gefärbten Männchen sind die schwarz umrandeten, leuchtend grün-blauen Schuppen im vorderen Körperteil mit einem orangen Fleck versehen. Bei den Weibchen fehlt das Orange, außerdem sind die Schuppen blasser und weniger kontrastreich.

In den Vormittagsstunden Mitte April war das Männchen sehr erregt und verfolgte eines der Weibchen, welches sich frisch gehäutet hatte. Es kam dann auch tatsächlich zur Paarung, das Männchen führte seinen Hemipenis in die Kloake des Weibchens ein. Die Kopulation dauerte etwa 1,5 Stunden, während dieser Zeit war die Kloakenzone des Weibchens ballonartig geweitet. Eine Reduzierung oder gar Verweigerung der Nahrungsaufnahmen nach erfolgter Paarung deutet bei vielen Schlangen auf eine Trächtigkeit hin, mein Perlnatternweibchen nahm jedoch weiterhin Nahrung zu sich. Allerdings war optisch eine Zunahme der Körpermasse zu verzeichnen. Etwa 3 Wochen nach der Paarung legte sich das Weibchen wiederholt in den Wasserbehälter und kroch auch aufgeregt im Terrarium umher.

Ich platzierte nun einen Behälter mit einem leicht feuchten Gemisch aus Torfmoos (Sphagnum) und Torffasern im Terrarium, um eine Möglichkeit für eine bevorstehende Eiablage zu schaffen. Das Tier suchte diesen Behälter auch immer wieder auf und Anfang Mai kam es dann tatsächlich zur Eiablage. Die Schlange platzierte ihre Eier jedoch nicht in den Ablagebehälter, sondern kurioserweise in die Mulde einer Moorkienwurzel, welche sich im Terrarium befand. Das Gelege, das teilweise zusammengeklebt war, bestand aus 5 Eiern, welche 32 bis 40 mm lang waren und einen Durchmesser von ca. 15 mm hatten. Die Eier überführte ich in einen Inkubator und bebrütete sie bei einer Temperatur von 25 bis 29 Grad C. Als Substrat verwendete ich Torfmoos (Sphagnum), welches ich leicht feucht hielt.
56 Tage nach der Eiablage setzte das selbe Weibchen überraschend ein zweites Gelege von wieder 5 Eiern ab, ohne dass ich eine erneute Paarung beobachtet hatte, ich kann allerdings auch nicht ausschließen, dass eine solche unbemerkt stattgefunden hat. Unmittelbar nach dieser Eiablage zeigte das Männchen ein sehr hektisches Verhalten und es kam zu Paarungsaktivitäten. Die Eier des zweiten Geleges überführte ich ebenfalls in den Inkubator.

Das erste Gelege entwickelte sich gut. Die Eier nahmen eine tonnenförmige Gestalt an und der Durchmesser wuchs bis auf 22 mm an, während sich die Länge kaum veränderte. Nach 58 Tagen schlüpfte die erste Jungschlange und einen Tag später die restlichen 4 Geschwister. Alle Jungtiere waren sehr lebhaft und maßen bei der Geburt zwischen 24 und 26 cm . Ich übersiedelte die Jungtiere in ein separates Terrarium.

Die Jungschlangen zeigten noch nicht die prächtige Färbung der Alttiere. Sie hatten ein mattes Grün und im vorderen Körperdrittel ein unterbrochenes Streifenmuster. Nach 5 Tagen erfolgte die erste Häutung und nach weiteren 5 Tagen begann ich mit der Fütterung. Leider gab es keinerlei Hinweise, welches Futter die Jungen benötigten. Neugeborene Mäuse, lebende kleine Fische, Regenwürmer, Fliegenmaden u.ä. nahmen sie nicht an, so dass ich mich zur Zwangsfütterung genötigt sah. Über eine Spritze mit einem aufgesetzten Aquarienlüftungsschlauch verabreichte ich einen Nährbrei, welcher sich bei jungen Kornnattern bestens bewährt hatte. Er bestand aus fein geriebenem Rinderherz, Eigelb, pulverisierten, getrockneten Bachflohkrebsen und vitaminisiertem Kalkpulver.

Diese Art der Fütterung ist für die Schlangen mit einem temporären Stress verbunden - was sich leider nicht umgehen ließ. Die Schlangen gediehen mit dieser Fütterungsmethode prächtig und nahmen mit einer Größe von ca. 30 cm dann selbständig Mäusebabys.

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Mir ist nicht bekannt, ob diese Schlangenart bislang irgendwo erfolgreich nachgezüchtet wurde. Einen Bericht hierüber konnte ich nicht ausfindig machen. Ich hoffe nun, dass ich mit der Nachzucht dieser wunderschönen Schlangen einen Beitrag leisten kann, um diese Tierart weiteren verantwortungsbewussten Terrarianern zugänglich zu machen.

Uli Körber
20 05 an DDA

Mit freundlicher Genehmigung des Autors
Norbert SVARDAL, 1.WRN AT/Verein

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