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Das einzigartige Brutpflegeverhalten von Diskusfischen

Ein Bereicht von Beate Rosenbach

An den ersten beiden Tagen ab dem Freischwimmen sind die Jungtiere häufig noch mehr oder weniger gleichmäßig auf beide Elternteile verteilt. Man spürt förmlich den Stolz der Eltern. Dass aus diesen winzigen länglichen Larven einmal große runde Diskusfische werden sollen, ist kaum zu glauben.

Spätestens ab dem dritten Tag wechseln sich die Elterntiere in der Regel mit der Führung der Jungfische ab. Hierzu schwimmt der Partner, von dem die Initiative ausgeht (der die Jungen abgeben möchte oder derjenige, der sie haben möchte), seitlich versetzt auf den anderen zu. Sobald er den Partner erreicht hat, schwimmen die beiden Alttiere aneinander vorbei, wobei meist der jungfischabgebende Partner seinen Körper leicht nach unten neigt (Kopf nach unten, Schwanz nach oben). Sobald er mit dem Kopf etwa auf Schwanzhöhe des Partners ist, schüttelt er sich kurz und schießt dann nach vorne.

Die Jungen schwimmen einen kurzen Moment an der Stelle, wo eben noch das Elterntier war, an dem sie sich labten. Einen Augenblick später streben sie dem anderen Elternteil entgegen, welches einladend seinen Körper, etwa im 45°-Winkel nach oben neigt (Kopf nach oben, Schwanz nach unten). Häufig stellen sich die Tiere dabei etwas dunkler. Das gleiche Verhalten sieht man übrigens, wenn größere Diskusfische Außenparasiten haben und kleinere Diskusfische neben ihnen schwimmen. Die Kleineren (sie können durchaus schon vier bis sechs Monate alt sein), bepicken daraufhin den Körper der Größeren mit ihrem Maul und nehmen dabei wohl einige Parasiten auf.

In seltenen Fällen kommt es zum Streit zwischen den Eltern, da jeder von ihnen die Jungfische führen möchte. Naturgemäß erweisen sich hier die Weibchen als besonders zänkisch. Entweder nervt sie das Bepicken der Jungfische, so dass sie versucht, sich ihrer zu entledigen. Meist schießt sie dann immer wieder im Becken hin und her. Die andere Variante ist, dass das Männchen die Jungen nicht mehr hergeben möchte. Daraufhin versucht sie sich der Jungen zu bemächtigen, indem sie das Männchen ständig wütend in die Seite rammt, um die Jungen von ihm "abzuschlagen". Das ist allerdings selten von Erfolg gekrönt. Es kann passieren, dass sie daraufhin anfängt, die "nicht hörenden" Jungen hier und da aufzuschnappen und vergisst, sie dann wieder auszuspucken, gemäß dem Motto: wenn ich sie nicht haben darf, dann soll sie keiner haben!

Ist es soweit gekommen, dann muss man ein Elterntier herausfangen. Man sollte das besser Pflegende bei den Jungen belassen. Da die Aufzucht für ein Tier körperlich sehr anstrengend ist, sollte man nach Möglichkeit das Kräftigere zurücklassen, was meist das Männchen ist. Soviel zum Thema Gleichberechtigung .... Die Jungfische sind drei Tage nach dem Freischwimmen schon ein ganzes Stück gewachsen. Sie sind länger, vor allem aber kräftiger geworden. Während es anfangs aussah, als ob sie an der Epidermis der Eltern nur nippen würden, kann man mit zunehmender Größe der Jungfische eindrucksvoll beobachten, wie sie zubeißen und dann das ergatterte Stückchen mit Schwung herausreißen. Die Haut der Elterntiere sieht dabei, zumindest für das menschliche Auge, unversehrt aus.
Da die Diskuseltern den ständig wachsenden Appetit ihrer Jungen nicht mehr gestillt bekommen, 
müssen die Kleinen zugefüttert werden.

Die gängigen Frostfuttersorten sind jedoch zu gross. Ebenso wie feines Trockenfutter übt es keinen Bewegungsreiz auf die Jungfische aus. Frisch geschlüpfte Artemia haben sich als das beste Erstfutter erwiesen. Es wird schnell akzeptiert und ist sehr gehaltvoll. Am besten setzt man sie am vierten Tag nach dem Freischwimmen an. Dies ist ganz einfach: Man schließt z. B. zwei auf dem Kopf stehende Flaschen mit Hilfe eines Luttschlauchs an eine Membranpumpe an. Hierzu bohrt man ein Loch in den Flaschenverschluss, so dass ein kleines Stück Luftstab bündig hineinpasst, auf welchen man den Luftschlauch steckt. Es gibt auch spezielle Flaschen mit Halterung im Handel. Die Membranpumpe sicherheitshalber höher als die Flaschen hängen, damit keine Flüssigkeit in die Pumpe gelangen kann.

In die Flaschen gibt man jeweils einen Liter Wasser, einen gehäuften Esslöffel Salz (jodfreies Haushaltssalz oder Meersalz) und maximal einen gehäuften Teelöffel Ar-temiaeier. Die Artemialarven schlüpfen nach vierundzwanzig bis sechsunddreißig Stunden. Es empfiehlt sich die Flaschen im täglichen Wechsel anzusetzen, damit man immer frisch geschlüpfte Futtertierchen zur Verfügung hat. Auch die Menge der angesetzten Eier kann man selbstverständlich variieren, da man in den ersten Tagen nur wenig benötigt. Zur Entnahme der Futtertierchen stoppt man die Luftzufuhr, während die Artemias in den nächsten Minuten langsam absinken. Die leeren Schalen steigen zugleich nach oben. Jetzt lässt man einfach ein wenig von der Flüssigkeit, von unten aus der Flasche, in ein feinmaschiges Sieb ab (Spezial-siebe gibt es im Handel), spült sie mit Wasser ab, damit der Salzgehalt nicht zu hoch ist und verfuttert sie dann. Die Krebschen überleben noch eine ganze Zeit lang im Diskusbecken, so dass den Jungfischen genügend Zeit bleibt, ihren Jagdtrieb auszuleben.

Je nach Wachstum der Diskusjungfische, das sich, mit steigender Zahl der Nachkommen, etwas verlangsamen kann, gibt man ab dem vierten oder fünften Tag nach dem Freischwimmen, eine winzige Portion frisch geschlüpfter Artemias. Nicht zuviel geben, da die Fischchen die Salinenkrebschen zu diesem Zeitpunkt noch nicht so richtig aufnehmen. Dabei sollte man es dann auch für diesen Tag belassen.

Führt man die Diskusjungfische auf diese Weise an die Artemias heran, dann stellt man am nächsten Tag voller Freude fest, das die Tierchen sofort mit Begeisterung gefressen werden, geradezu so, als ob sie noch nie etwas anderes bekommen hätten. Anfangs werden nur recht kleine Portionen aufgenommen, entsprechend der winzigen Magengröße. Die Jungen halten sich zu dieser Zeit noch in unmittelbarer Nähe der Eltern auf und nehmen so auch nur die Salinenkrebschen auf, die sich im direkten Umkreis befinden. Mit zunehmender Größe und zunehmendem Appetit werden sie mutiger und entfernen sich immer öfter aus der Schutzzone, um auch weiter entfernt schwimmende Artemias zu erreichen. Es ist sinnvoll die Jungfische stündlich mit einer kleinen Portion Artemias dazu zu futtern, da sie noch einen sehr kurzen Darm haben und dadurch die Nahrung recht schnell verdauen und wieder Hunger bekommen, obwohl sie fast pausenlos an der Epidermis der Elterntiere knabbern.

Ab dem zehnten, spätestens ab dem vierzehnten Tag nach dem Freischwimmen kann man zusätzlich Bosmiden (Frostfutter) geben. Kurz darauf nehmen sie auch Moina und Lobstereier. Letzteres wird auch mit Begeisterung von den Eltern aufgenommen, wenn man sie nur so weit auftauen lässt, dass sie noch leicht aneinander hängen.
Die Jungfische wachsen nun rasend schnell. Bald kann man auch Cyclops und etwas später Wasserflöhe verfüttern. Mückenlarven lassen sich in gefrorenem Zustand mit einem Messer leicht in kleinste Stücke schneiden. Achtung: bei roten Mückenlarven unbedingt nur gezüchtete verwenden, sonst kann es leicht zur Vergiftung kommen!!!
Gibt man den Eltern Enchyträen, stellt man mit Erstaunen fest, dass auch die Jungtiere sofort mit Begeisterung dabei sind. Anstatt sich die kleinsten Würmer herauszusuchen, versuchen Sie zum Teil solche aufzunehmen, die fast so lang sind wie sie selbst. Manche schaffen das erstaunlicherweise auch und man wundert sich, dass es den Jungfischen nicht schadet.
Nach drei bis vier Wochen etwa haben die Jungtiere die kreisrunde Form ihrer Eltern angenommen. Manche Züchter trennen zu diesem Zeitpunkt gerne die Jungen von den Eltern. Solange es ihnen jedoch nicht schadet, lasse ich sie gerne noch weitere ein bis drei Wochen zusammen, da die Jungen immer noch gerne an der Epidermis knabbern, insbesondere morgens zum Frühstück. Sie wachsen dann besser. Hinzu kommt, dass man sie so leichter an neue Futtersorten herangeführt bekommt. Wenn sie ihre Eltern an etwas fressen sehen, wollen sie es auch sogleich probieren. Das vereinfacht vor allem auch eine Heranführung an Trockenfutter, welches man in fein gemahlenem Zustand übrigens auch schon früh zufuttern kann. Die kleinen lebenden Artemias sollte man noch so lange zufuttern, wie sie noch angenommen werden, auch wenn man bereits mit der Verfutterung von gefrorenen großen Artemias begonnen hat. Direkt nach dem Schlupf sind sie besonders gehaltvoll. Am besten futtert man auch die Salinenkrebschen selber mit Spezialfutter, damit sie gehaltvoll bleiben. Irgendwann werden sie von den Jungfischen verschmäht, da sie ihnen zu klein werden. Ich habe aber auch schon Würfe gehabt, die sie noch mit vier Monaten gerne gefressen haben. Die Diskusfische wachsen dann umso besser.

Werden die Eltern in Ausnahmefällen von den heranwachsenden Jungfischen so stark bedrängt, dass sie körperlichen Schaden erleiden, dann muss man sie trennen. Das kann so weit gehen, dass die Elterntiere gut sichtbare Dellen am Körper und Löcher in den Flossen bekommen. So weit sollte man es aber nicht kommen lassen. Wird einem Erwachsenen das Knabbern der Jungfische zuviel, dann versucht er sie abzuschütteln und seinem Partner zu übergeben, auch wenn er sie gerade erst von ihm erhalten hat. Funktioniert das auch nicht, dann bleibt ihm nur noch die Flucht. Aufgrund der beengten Aquarienverhältnissen dauert es meist nicht lange, bis der hungrige Nachwuchs sein Glück erneut probiert. Darum ist es auch wichtig, dass man allen Paaren, nach erfolgreicher Aufzucht, ein paar Wochen Ruhe gönnt, damit sie sich wieder vollständig regenerieren können. Am besten in einem großen Becken zusammen mit anderen größeren Diskusfischen.

Wichtig bei der Aufzucht der Jungfische ist ein regelmäßiger Wasserwechsel, damit trotz der vielen Futtergaben eine gute Wasserqualität erhalten bleibt. Zudem fügt man dem Wasser so ständig neue wichtige Mineralien und Spurenelemente zu. Wichtig ist auch eine angemessene Beckengröße, damit den Kleinen genügend Schwimmraum zur Verfügung steht und sich nicht die Wasserverhältnisse mit jeder Fütterung dramatisch verschlechtern.
Im Zweifelsfalle muss man sich schweren Herzens von einem Großteil der Jungfische trennen. Vielleicht hat man einen Bekannten, der die Entwicklungen gespannt mitverfolgt hat und nun seinerseits sein Glück mit einem kleinen Schwarm Diskusjungfische probieren möchte.

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus "Aquaristik aktuell" Köln.

Norbert SVARDAL, 1.WRN AT/Verein

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