Get Adobe Flash player
Start Berichte

Haltung der gewöhnlichen Moschusschildkröte
( Sternotherus odoratus )

Lautischer Helmut - 1.Wr.N.ATV


Schon seit längerer Zeit war es mein Wunsch Wasserschildkröten zu pflegen. Die Jungtiere der diversen Schmuckschildkröte, die massenhaft in den Tierhandlungen zum Verkauf angeboten wurden, hatten es mir angetan. Nach dem Studium diverser Fachliteratur schreckte mich allerdings die Endgröße dieser Tiere ab. In den Büchern entdeckte ich jedoch die Moschusschildkröte mit einer maximalen Größe von 15 cm und laut Beschreibung auch für Anfänger geeignet.

Von nun an hielt ich ständig Ausschau nach diesen Schildkröten. Die Suche erwies sich aber als sehr schwierig, da in keiner Zoohandlung in der gesamten Steiermark solche Tiere zu bekommen waren. Nach ca. 1 ½ Jahren fand ich dann in einer Tierhandlung in Graz, Jungtiere der Moschusschildkröte. Um einigermaßen sicher zu gehen, Tiere beiden Geschlechts zu erwerben, kaufte ich gleich 4 Jungtiere mit einer Panzerlänge von ca. 2,5 cm.

Zu Hause setzte ich die Tiere in ein 60 l Becken, Wasserstand 5 cm und einer Wurzel als Landteil. Alle Vier waren wohlauf und hatten einen Riesenappetit. Anfangs wurden sie einzeln mit der Futterpinzette gefüttert, damit keine zu kurz kommen würde. Allmählich erhöhte ich den Wasserstand von 5 auf 20 cm. Auf Grund der regen Verdauung war trotz Innenfilter ein täglicher Wasserwechsel nötig. Nach ca. 3 Monaten übersiedelten meine Schildkröten dann in ein größeres Becken ( 115 x 40 x 70 cm und einem Wasserstand von 50 cm ). Die Einrichtung besteht aus einer Korkinsel, die zwischen den Aquariumscheiben eingeklemmt ist und 2 Wurzeln, von denen eine ein Stück aus dem Wasser ragt und den Schildkröten als Rastplatz dient. Auf einen Bodengrund aus Kies wird aus Hygienegründen verzichtet.

Um eine natürliche Krallenabnützung zu gewährleisten wird die Bodenscheibe lediglich mit Schieferplatten abgedeckt. Ein leistungsstarker Aussenfilter ( 900 l/h ), der den fast täglichen Wasserwechsel aber nicht ersetzen kann, sorgt für die Wasserumwälzung. Auf eine Heizung wird verzichtet und so gibt es automatische Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die sich bis jetzt durchaus positiv auf die Entwicklung der Tiere ausgewirkt haben ( Maximum 28 Grad, Minimum 18 Grad ). Da ich meine Schildkröten auf Grund eines zu warmen Kellers nicht überwintern kann, gibt es ohne Heizung auch kühlere Wintermonate. 

Als Beleuchtung dient eine HQL Lampe und zwei Grohluxhängeleuchten. Als Putzerfische wurden Saugschmerlen und siamesische Rüsselbarben eingesetzt. Diese werden von den Schildkröten nicht gefressen, da sie zu schnell sind. Ansonsten sollte man Fische, auch wenn sie wesentlich größer als die Moschusschildkröten sind, nicht im gleichen Becken halten, da sie von ihnen als Nahrung angesehen werden.

Im größeren Becken wuchsen nun alle kräftig heran und nach ca. einem Jahr stellte sich heraus, dass ich 3 Männchen und 1 Weibchen hatte. Auf Grund von Streitereien um das Weibchen, musste ich schweren Herzens 2 Männchen abgeben. Bald darauf gab es 1. Paarungsversuche und am 19.4.1997, ca. zwei Jahre nach dem Erwerb der Schildkröten, legte das Weibchen das 1. Ei in einer Klarsichtbox mit Sand ab, die ich mittlerweile im Aquarium untergebracht hatte und die über die Korkinsel leicht zu erreichen war. Bis heute habe ich bereits 42 Jungtiere großgezogen wobei die Gelegegrößen zwischen einem und sechs Eiern lagen . Sie sind oval mit harter Schale und haben eine Länge von ca. 2 cm. Die Schildkröteneier werden nach der Ablage vorsichtig aus dem Sand ausgegraben, an der Oberseite mit Bleistift markiert ( die Lage der Eier soll nicht verändert werden, damit der Embryo nicht abstirbt ) und in kleine Klarsichtboxen, wie man sie beim Kauf von Heimchen und Grillen bekommt, gefüllt mit feuchtem Vermiculit ( im Zoofachhandel erhältlich ), halb eingegraben. 

Diese Boxen stelle ich auf eine zusätzliche Glasscheibe die ich zwischen Wasseroberfläche und Deckscheibe des Aquariums eingesetzt habe. Nach ca. 2 - 3 Monaten, je nach Wärme schlüpfen dann die Jungtiere mit einer Größe von 2 cm, wobei die Schlupfrate bei ca. 80% liegt. Nachdem der Dottersack verschwunden ist, erfolgt die Aufzucht der Jungtiere in 2 kleineren Aquarien 80 l und 60 l, wobei der Wasserstand ca. 30 cm beträgt, die mit einer Korkinseln ausgestattet sind. Auch hier gibt es nur Beleuchtung und Aussenfilter, aber keine Heizung. Auf Bepflanzung wird verzichtet, da selbst die kleinsten Schildkröten sämtliche Pflanzen zerbeißen. Da ich die Jungtiere bis zu etwa einem Jahr mit der Pinzette füttere und ein täglicher Wasserwechsel gerade in den 1. Lebensmonaten unumgänglich ist, kann man sich vorstellen, das die Aufzucht, bei durchschnittlich 15 Jungen pro Jahr, sehr zeitaufwendig ist.

An die Wasserwerte werden keine Ansprüche gestellt. Häufiger Wasserwechsel ( beinahe täglich ) ist auf Grund der regen Verdauung, speziell in den warmen Sommermonaten, unbedingt nötig. Jede Art von Bepflanzung wird in kleinste Stücke zerbissen und ist daher nicht sinnvoll. Auch UV Strahlung ist für diese Wasserschildkröten nicht unbedingt nötig, da sie das Wasser nur zur Eiablage verlassen und sich nie sonnen. Die Schildkröte gibt, wenn sie sich gestört fühlt ein Sekret ab, dass an Moschusduft erinnert. Nach meinen Erfahrungen ist keine Winterruhe notwendig ( wie man bei meinen Tieren sieht, wirkt es sich nicht negativ auf die Fortpflanzung aus ). 

Als Futter wird fast nur tierische Nahrung angenommen. Ich verfüttere 80% Gefrierfutter. Für Jungtiere rote Mückenlarven, Salinenkrebse, Krill, Mysis, Bachflohkrebse und Diskus-Quick.. Danach Garnelen, Garnelenschwänze mit Schale, Meeresfruchtcocktail ( Muschelfleisch, Tintenfisch, Schrimps ) ungesalzen, tiefgefrorene Futterfische, Fischfleisch, Putenfleisch, Hühnerfleisch, Rinderherz und als absolute Lieblingsspeise lebende Wasserschnecken mit Gehäuse ( Kalk wichtig für Panzerbildung ).

Restliche 20 % frischtote Heimchen, Heuschrecken oder Schaben ( die ich für mein Chamäleon, meine Anolis oder Geckos brauche ) und getrocknete Futtertiere ( Garnelen, Bachflohkrebse ). Meine Schildkröten fressen keine Futtersticks, wie sie von den Zoohändlern immer angepriesen werden ( Vielleicht sind sie auch auf Grund meiner Fütterung etwas zu verwöhnt! ). Wichtig ist abwechslungsreiche Kost mit viel Ballaststoffen, Puten-, Hühner-, Fischfleisch und Rinderherz nicht zu oft füttern. 

Auf Grund der abwechslungsreichen Fütterung habe ich auf die Zugabe von Vitaminen gänzlich verzichtet, trotzdem gab es bei der Aufzucht meiner Jungtiere nie Probleme. Bei Jungtieren einen Fastentag pro Woche einlegen, adulte Tiere nur jeden 2. Tag füttern, eventuell auch einmal 2-3 Tage fasten lassen und bei niedrigeren Temperaturen weniger füttern. Momentan pflege ich das Zuchtpaar ( das Männchen ca. 10 cm wird auf Grund ständiger Paarungsversuche zeitweise vom Weibchen ca. 13 cm getrennt gehalten ), ein Paar aus der Nachzucht 1999 ( Panzerlänge ca. 6,5 cm ) in einem 200 l Becken, 3 Jungtiere vom Herbst 2000 ( Länge ca. 4cm ) in einem 80 Liter Becken, sowie 2 Schildkröteneier die noch ungefähr 1 Monat bis zum Schlupfen brauchen werden. Abschließend kann ich jedem Wasserschildkrötenliebhaber, der einen regelmäßiger Wasserwechsel nicht scheut und seinen Tieren abwechslungsreiche Fütterung bieten kann, die Moschusschildkröte nur empfehlen.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne unter Tel. 03862-51794 abends oder per Email Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. zur Verfügung.

Bruck an der Mur am 29.3.2001

Zurück zur Berichtsauswahl