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Aufgrund dieses Artikels und um zu verstehen worum es hier überhaupt geht: 

 

http://www.ugi.or.at/images/stories/Ortsbote/ortsbote_2012_9.pdf


Lebensgefährliche Tiere in Wöllersdorf-Steinabrückl?

 

Hallo mein Name ist Ingo Hess und ich lebe mit meiner Familie seit 6 Jahren in dieser schönen Gemeinde. Ich betreibe seit mittlerweile 10 Jahren das wunderschöne und ungefährliche Hobby Terraristik und bin Mitglied im 1. Wr. Neustädter Aquarien- und Terrarienverein. Nach dem Artikel von Herrn Nowak im letzten Ortsboten habe ich Kontakt zu ihm aufgenommen und er gibt mir dankenswerter Weise die Möglichkeit meine Sichtweise der meist mit Vorurteilen und Fehlinformationen behafteten und gerade deshalb häufig sehr kontrovers diskutierten Thematik aufzuzeigen.


Zunächst möchte ich sagen, dass die Haltung gefährlicher „Wildtiere" laut niederösterreichischer Landesverordnung ohnehin verboten ist. Der Gesetzgeber hat selbst in besagter Verordnung definiert, welche Tiere als gefährlich anzusehen sind. Zum Beispiel ist die legale Haltung einer grünen Mamba, eines Netzpythons oder eines Leistenkrokodils in der Nachbarswohnung somit nicht möglich.

Vom Gesetzgeber als nicht gefährlich definierte Tiere muss man seit 2005 bei der Bezirkshauptmannschaft melden. Nach der Meldung erfolgt dann die Kontrolle der sachgerechten Haltung durch den Amtstierarzt. Läge hier etwas im Argen würde der Amtsveterinär Schritte dagegen einleiten. Man kann also sagen, dass absolut keine andere Tierhaltung in Österreich so streng kontrolliert wird und reglementiert ist, wie die Reptilien- und Amphibienhaltung.
Begriffe wie Riesenschlange oder Pfeilgiftfrosch können leicht falsch verstanden werden, wenn man nicht weiß, dass manche Riesenschlangen (Boidae) gerade mal 60cm lang werden, oder dass Pfeilgiftfrösche in Gefangenschaft kein (Haut)Gift mehr bilden können, da sie die dafür notwendigen Bestandteile nicht mehr durch die Nahrung aufnehmen können.

 

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Jungtier eines harmlosen Köngispythons, diese Art wird auf englisch Ballpython genannt, weil sie sich bei einer Bedrohung zu einem Ball zusammenrollt, anstatt sich durch Bisse zu wehren. Viele Reptilien reagieren mit defensivem Verhalten statt mit Angriff.


 

 

 

 

Aber warum genau hält man sich solche Tiere? Wenn man sich genügend über die artgerechte Haltung informiert sind es relativ anspruchslose Haustiere, denen es im Vergleich zu „gängigen" Haustieren nichts ausmacht, wenn man den ganzen Tag in der Arbeit ist, da sie keine soziale Beziehung zum Menschen aufbauen. Auch für Tierhaarallergiker sind Reptilien und Amphibien eine gute Alternative. Oder einfach weil man gerne ein Stück Natur zuhause im Wohnzimmer hat.


Ich kann nur für mich sprechen. Als Sohn eines Tierarztes haben mich von Kindesbeinen an, alle Tiere interessiert, aber nichts hat mich so sehr fasziniert wie jene kleinen Geckos die im Urlaub in Kroatien an den Hauswänden herumliefen und lästige Insekten vertilgt haben. Wie können diese Tiere selbst an Glasscheiben hoch laufen? Aus dieser Faszination bin ich zum Hobby Terraristik gekommen. Ich halte vorwiegend Geckos aus Neukaledonien. Das ist eine Inselgruppe östlich von Australien.

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Neukaledonischer Kronengecko

 

Viele Terrarianer helfen aktiv im Artenschutz und unterstützen finanziell mit ihren Vereinen nationale und internationale Artenschutzprojekte. Sie schreiben Fachliteratur zu diversen Arten und helfen mit ihren Erkenntnissen diese Tiere zuschützen.Denn nur wenn man weiß welche Grundvoraussetzungen diese Arten zum Überleben benötigen, kann man sie auch erfolgreich schützen. Gerade Reptilien und Amphibien besitzen kaum eine Lobby im Artenschutz, dabei ist gerade deren Fortbestand für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts enorm wichtig. Aufgrund des geringen wirtschaftlichen Interesses stehen auch kaum finanzielle Mittel zur Erforschung zur Verfügung. Man ist regelrecht auf die privaten Erkenntnisse angewiesen.


Nehmen wir zum Beispiel meine neukaledonischen Kronengeckos. Bis 1994 hielt man diese Geckos bereits für ausgestorben. Ein Team deutscher und amerikanischer Herpetologen und Terrarianer hat diese Tierart jedoch bei einer Expedition wiederentdeckt und einige Exemplare legal exportiert. Der Bestand dieser Geckos, sowie eigentlich aller auf Neukaledonien endemischer (nur dort vorkommender) Arten, ist durch den Tagebau zur Gewinnung von Nickel und anderen Erzen extrem bedroht. Hierbei werden Wälder einfach gerodet und von der Oberfläche her geschürft. Obwohl dadurch viele Arten bereits extrem vom Aussterben bedroht sind, unterliegen sie keinerlei Schutzstatus. Mittlerweile werden Schätzungen zufolge jährlich mehr Kronengeckos in Terrarienhaltung gezüchtet als es gesamt in freier Wildbahn noch gibt.

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Kronengeckobaby

 

Ich nehme auch bei zwei weiteren Arten an europäischen Erhaltungszuchtprojekten Teil. Der extrem bedrohten chinesischen Krokodilhöckerechse (auch hier ein leicht irreführender Name für eine harmlose 35cm lange Echse) und dem Salomonen Wickelschwanzskink. Beides Arten die lebendgebärend sind und daher nur sehr wenig Nachwuchs haben.
Salomonen Wickelschwanzskinke ernähren sich vegetarisch und sind stark bedroht.

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Chinesische Krokodilhöckerechse. In China gibt es vermutlich weniger als 600 Tiere in freier Wildbahn.


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Salomonen Wickelschwanzskinke ernähren sich vegetarisch und sind stark bedroht

Ich hoffe mein kurzer Artikel kann ein wenig dazu beitragen Vorurteile abzubauen und Missverständnisse auszuräumen. Sollte ihr Nachbar schuppige Haustiere halten, sprechen sie ihn einfach einmal darauf an. Ich bin sicher er wird gerne alle Fragen dazu beantworten. Selbst größere Riesenschlangen sind im Grunde für den Menschen bei sachgerechter Haltung harmlos und es gibt bisher in Deutschland oder Österreich keinerlei belegte Fälle bei denen unbeteiligte Dritte durch „gefährliche“ Terrarientiere zu Schaden gekommen wären.
      
Ingo Hess
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